Presse 

 

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 Unsere Zeitungsartikel  aus 2008,  2009, 2010, 2011  (nur Text, ohne Bilder)!

 

 

Aktion gegen Tierelend  30. April 2008

FORDERUNG / Margit Mayr hat ein Drei-Punkte-Programm aufgestellt. Sie fordert die Mandatsträger auf, es politisch umzusetzen. Nur so sei mehr Schutz für die Tiere gewährleistet.

Siegfried P. Rupprecht________________________________________________

Landkreis. Tierschutz wird in Deutschland groß publiziert und ist sogar im Grundgesetz verankert. Dennoch steht er immer wieder im Widerspruch, beispielsweise bei der Nutzung der Tiere. Aber auch die Gesetzgebung ist mit Lücken behaftet. Darin liegt Konfliktpotenzial. Die Gersthofer Tierschützerin Margit Mayr geht nun in die Offensive. Sie fordert die Volksvertreter, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, auf, ein Drei-Punkte-Programm politisch zu manifestieren.

So beklagt Margit Mayr die immer noch ausstehende Tierschutz-Katzenverordnung. „Tierhaltern, die viele Katzen auf engstem Raum halten, ist oft nicht beizukommen“, macht die Tierschützerin aufmerksam. Dazu fehle eine gesetzliche Grundlage. In diesen Fällen werde von Behörde zu Behörde unterschiedlich entschieden.

Mayr führt auch das Schicksal von nicht kastrierten Katzen an. „Jedes Jahr gibt es explosionsartige Katzenpopulationen, denen oft Tötungen der Jungtiere folgen.“ Mit der Argumentation, „das hat bereits mein Großvater und Vater so gemacht“, handele man hier oft noch barbarisch wie vor einhundert Jahren. Alles andere lande in Tierheimen und überfülle diese. „Eine Tierschutz-Katzenverordnung mit einheitlichen Richtlinien gibt Behördenvertretern und Tierschützern bei ihrer Handlungsweise Sicherheit und vermeidet viel Tierelend“, begründet Margit Mayr ihre Forderung.

Ein Dorn im Auge ist der Tierschützerin auch die fehlende Kennzeichnungspflicht für Haustiere mit einem Mikrochip. „Bei aufgefundenen Katzen wird in Gemeinden und Städten regelmäßig darüber diskutiert, ob es sich um eine Fundkatze - bei der die Behörde für die Verwahrungskosten aufkommen muss -, oder um ein herrenloses Tier - für das der Finder verantwortlich ist -, handelt.“, so Mayr. Bei der Kennzeichnung und Registrierung seines Haustieres entstünden dem Tierhalter nur geringfügige Kosten. „Im Gegenzug reduzieren sich dadurch die Kosten der Kommune, aber auch Straftaten und Ordnungswidrigkeiten wie Diebstahl und Aussetzen werden erheblich erschwert.“

Ein Kavaliersdelikt?
Der dritte Punkt ihrer Forderung zielt auf eine praxisbezogene Vergütung für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren in Tierheimen und Tierasylen ab. „Kastrationsaktionen und tiermedizinische Versorgung der Tiere lassen sich nicht mit ein paar Cent realisieren“, erklärt Mayr. „Oft müssen Tierheime wegen Überfüllung oder Finanznot die Aufnahme von Haustieren ablehnen.“ Die Folge sei, dass das Aussetzen von Tieren zum Kavaliersdelikt werde. Zudem hätte die Kommune immer mehr mit streunenden Katzen zu kämpfen.

In Deutschland engagieren sich über tausend Tierschutzorganisationen und unzählige Ehrenamtliche für den Schutz der Tiere, verdeutlicht Margit Mayr. Es sei an der Zeit, dass sie in ihrem Kampf gegen das Tierelend von den Politikern Unterstützung erhalten. Ein entscheidender Schritt dazu sei, die Drei-Punkte-Forderungen gesetzlich zu regeln.

Um dies zu erreichen, hat Margit Mayr Tierschutzorganisationen im Bundesgebiet schriftlich um Unterstützung gebeten und einen Musterbrief an die Landtagsabgeordneten in den jeweiligen Bundesländern und an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beigelegt. Gleichzeitig kontaktet sie alle Mandatsträger in ihrer Region.


Keine Unterstützung vom Ministerium 9. Juli 2008

Nein zur Tierschutz-Katzenverordnung und zur Kennzeichnungspflicht für Haustiere: Tierschützerin Margit Mayr beklagt Desinteresse der Politik.

Von Siegfried P. Rupprecht________________________________________________

Gersthofen. Das Bundesministerium (BMI) für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hält den Erlass einer Tierschutz-Katzenverordnung nicht für notwendig. Dies teilt das dort zuständige Referat 321 der Tierschützern Margit Mayr in einem Schreiben mit. Die Gersthoferin hatte in einem Drei-Punkte-Programm gegen Tierelend die Verordnung gefordert (wir berichteten).

Tierhaltern, die viele Katzen auf engstem Raum halten, sei oft nicht beizukommen, macht Margit Mayr aufmerksam. Ohne eine Tierschutz-Katzenverordnung mit einheitlichen Richtlinien besitze auch der Amtstierarzt erst nach mehreren schweren Verstößen gegen das Tierschutzgesetz eine rechtliche Handhabe, macht sie aufmerksam.

Dazu Gerhard Poesch vom Referat für Tierschutz beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Bonn: Angesichts der Vielzahl aller als Heimtiere gehaltenen Tierarten und deren unterschiedlichen Haltungsansprüchen sei mit dem Erlass einer Haltungsverordnung für Katzen nicht zu rechnen. Poesch sieht dennoch keinen „rechtsfreien“ Raum. „Auch ohne spezielle Haltungsvorschriften sind die grundlegenden Anforderungen des Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes einzuhalten“, betont er in seinem Schreiben.

Derjenige, der ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, müsse das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Zudem dürfe er die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Tierschützerin Margit Mayr bedauert das Nein des Ministeriums. Immerhin gebe es Verordnungen auch zu landwirtschaftlichen Nutztieren und zur Hundehaltung. „Gerade Katzen in bäuerlicher Haltung brauchen mehr Schutz“, appelliert sie. Da werde täglich gegen den Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes verstoßen.“ Nur mit einheitlichen Richtlinien sei gegen Tierelend anzukämpfen.
Und Tierleid hat Margit Mayr oft genug gesehen.

Unterstützung erhält Mayr unter anderem von Robert Derbeck vom Tierschutzverein Noris in Nürnberg. Der vom BMI zitierte Paragraf sei ein Gummiparagraf und könne nach jeweiligen subjektiven Empfinden eines Behördenvertreters in jeder Richtung behandelt werden wie er es will, meint er gegenüber der Gersthoferin. Kein anderes Gesetz sei so auslegungsfähig.

Zudem fragt er sich, auf welche Basis man es erforderlich gehalten habe, eine Tierschutz-Hundeverordnung zu erstellen. „Die Anzahl der Hunde kann es ja nicht gewesen sein“, meint er. „Es gibt nachweislich mehr Katzen als Hunde. Oder ist ein Hund vielleicht mehr wert als eine Katze, und wenn ja warum?“

Ehrenamtlich und kostenlos
Auch von der von Margit Mayr geforderten Kennzeichnungspflicht für Haustiere mit einem Mikrochip hält das Ministerium nichts. Es verweist auf den Verwaltungsaufwand der Registrierung und vergleicht sie mit der Erfassung von Kraftfahrzeugen.

Hier sei das BMI anscheinend nicht richtig informiert, meinen Mayr und Derbeck unisono. Der Veraltungsaufwand wäre für eine Behörde gleich Null. „Die Kennzeichnung eines Tieres mit einem Transponder macht ein Tierarzt oder Teilheilpraktiker.“ Der gebe in der Regel die Nummer auch an das TASSO-Haustier-Zentralregister weiter. Dort seien mittlerweile schon mehrere Millionen Registrierungen erfasst.

TASSO arbeite vollkommen ehrenamtlich und kostenlos. Es bedürfe hier keinerlei behördlichen Aktivitäten, sondern nur der Erlass, dass ein Eigentümer sein Haustier kennzeichnen lassen müsse.


Zeitungsartikel 2009 (Serie 1 bis 3)

Zum Schutz der Katzen  29. April 2009

SERIE (1) / Die Tierschutzvereine und Tierheime können die Katzenschwemme ohne Unterstützung nicht mehr schultern. Ihre Forderung: Pflicht zur Kastration.

Siegfried P. Rupprecht_________________________________________________

Gersthofen/Landkreis. Jedes Jahr werden Zehntausende herrenlose, teilweise verwilderte Katzen durch Tierschutzvereine kastriert. Dennoch steigt die Anzahl der Katzen immer weiter an. Margit Mayr von der „Interessengemeinschaft mehr Schutz für Haustiere“ in Gersthofen spricht gar von einer „Katzenschwemme“. „Die Tierheim können die Katzenüberpopulationen ohne staatliche Unterstützung kaum mehr bewältigen“, macht sie aufmerksam. Immer öfter müssen Tierheime und Tierschutzvereine deshalb wegen Überfüllung oder Finanznot die Aufnahme von Haustieren ablehnen. Dabei könnte man die Misere laut Margit Mayr in den Griff bekommen: mit einer Kastrationspflicht für Freilaufkatzen ab dem fünften Lebensmonat.

Wer Katzen aussetzt oder nicht regelmäßig füttert, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. „Hört sich gut an“, meint Margit Mayr, „hilft den Katzen auf Bauernhöfen, Garten- und Müllanlagen aber nicht.“ Ein Bauer, der sich für seine Hofkatzen verantwortlich fühlt, sei eher die Ausnahme, weiß die Tierschützerin aus leidvoller Erfahrung. „Diese Katzen erhalten meist kein regelmäßiges Futter und werden nicht tierärztlich versorgt.“

Bereits hier beginnt der Teufelskreis. Die wild geborenen und ohne direkten Menschenkontakt aufwachsenden Katzen vermehren sich verstärkt. Schon mit rund sechs Monaten werden sie geschlechtsreif. Der Nachwuchs ist oft zum Tod verurteilt. Die abgemagerten Katzen siechen mit Katzenseuche, Leukose, Katzenaids und anderen Krankheiten elend dahin. „Neugeborene Kätzchen erkranken oft schon nach wenigen Tagen oder Wochen an Vereiterungen der Augen, der Nase und der Atmungsorgane“, erklärt Gunda O’Neal von Felidae Tierschutzverein und Katzennothilfe in Frankfurt am Main. „Sie gehen meist früh und unter großen Qualen zugrunde.“

Die überlebenden Katzen stecken wiederum ihre Artgenossen, auch Hauskatzen mit „Freigang“, beispielsweise bei Katerkämpfen oder bei der Nahrungssuche, mit Infektionskrankheiten an. So geht die Todesspirale ungehindert weiter.

Teufelskreis durchbrechen
Die einzige Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sei die Kastration der Katzen, ist sich Sylvia Heckl-Fiedler vom Tierschutzverein Gersthofen sicher. Das „Warum“ liegt für sie klar auf der Hand: „Durch immer mehr Katzen werden vermehrt Krankheiten unter den Katzen verbreitet, Singvögel bejagt und die Allgemeinheit belästigt.“ Außerdem würden die Tierheime durch als Fundtiere sowie streunende und verwilderte Jungtiere abgegebene herrenlose Katzen besetzt, so dass von Zuhause weggelaufene Tiere nicht mehr aufgenommen und an den Besitzer zurückgegeben werden können.

Ein nachahmenswertes Beispiel: die Stadt Paderborn. Sie hat bei der Katzenvermehrung die Notbremse gezogen und in einer Verordnung die Kastration zum Schutz der Katzen festgeschrieben. Die Begründung der Kommune: „Jede vermehrungsfähige Katze, die frei draußen laufen darf, wird sich früher oder später vermehren und kann zweimal im Jahr jeweils vier bis sechs Nachkommen zeugen. Diese Nachkommen können selbst ab dem Alter von sechs Monaten wieder neue Katzen zeugen.“ Um eine Vermehrung zu verhindern, hat Paderborn deshalb die Kastration männlicher und weiblicher Freigängerkatzen ab dem fünften Monat zur Pflicht gemacht.

Richtiger Schritt
Ein Schritt in die richtige Richtung, wie die Tierschützerinnen Sylvia Heckl-Fiedler und Margit Mayr meinen. Dabei brechen sie eine Lanze für verwilderte, streunende und wild auf dem Bauernhof geborene Katzen. Sie seien unter Schutz stehende Heimtiere. „Das Einfangen, die Kastration und das erneute Aussetzen in der gewohnten Umgebung sind oberstes Tierschutzgebot, um Katzenüberpopulationen zu begrenzen“, resümieren sie.

Doch mit der Forderung nach einer Kastrationspflicht zum Schutz der Katzen ist es alleine nicht getan. Tierschützer setzen sich auch nachdrücklich für eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht der Katzen ein. Mehr darüber im zweiten Teil unserer Serie.

Weniger Katzenjammer 6. Mai 2009

SERIE (2) / Tierschützer fordern dringend eine rechtliche Handhabe zum Schutz von Katzen. Eine landesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht trage dazu bei, meinen sie.

Siegfried P. Rupprecht________________________________________________

Gersthofen. Katzen sind niedliche Haustiere. Doch bei Überpopulationen werden sie zu einem Problem. Die Stadt Paderborn hat beispielsweise die Situation der Katzenschwemme erkannt und seit September 2008 eine Kastrationspflicht für Freilaufkatzen ab dem fünften Lebensmonat erlassen. Der Vorteil: Neben der Geburtenkontrolle gehen auch die Ansteckungsgefahren und Krankheiten zurück. Doch die Kastration ist nur ein Punkt, den verantwortungsvolle Tierschützer fordern. „Wir plädieren mit Nachdruck auch für eine landesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht“, betont die Vorsitzende des Tierschutzvereins Gersthofen, Sylvia Heckl-Fiedler.

Damit spricht sie den Tierschutzorganisationen in Deutschland aus dem Herzen. Diese fordern schon seit längerer Zeit eine generelle Kennzeichnung und Registrierung von Katzen und Hunden.

Warum? „Nur durch die Kennzeichnung kann die erfolgte Kastration nachvollzogen und geprüft werden“, macht Margit Mayr von der „Interessengemeinschaft mehr Schutz für Haustiere“ in Gersthofen aufmerksam. Außerdem sei die Kennzeichnung von Freigängerkatzen sinnvoll, um diese bei Abgabe im Tierheim einem Halter zuordnen und zurückgeben zu können. „Die Kennzeichnungspflicht könnte über Tierärzte, Tierheilpraktiker oder durch Tierärzte geschulte Tierschützer erfolgen“, so Margit Mayr.

Rund um die Uhr
Wie wichtig und sinnvoll eine Kennzeichnung und Registrierung von Haustieren ist, verdeutlicht TASSO. Der Verein, eine der größten europäischen Tierschutzorganisationen, hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl entlaufenen als auch gefundenen Tieren und deren Haltern zu helfen. Er verfügt über ein Haustierzentralregister mit einer Datenbank von bereits 3,8 Millionen registrierten Tieren. „Wir kümmern uns seit über 25 Jahren rund um die Uhr um die Rückvermittlung entlaufender Tiere“, macht Andrea Thümmel, Leiterin der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit von TASSO, aufmerksam. „Pro Jahr können wir so allein in Deutschland über 40 000 Tiere zurückvermitteln, weil sie bei uns registriert sind.“ Dabei seien alle Leistungen kostenlos.

Sonja Stahl von der „Katzenhilfe Westerwald“ sieht in der Registrierungspflicht einen weiteren Vorteil. „Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, wie Diebstahl oder Aussetzen, würden erheblich erschwert“, meint sie.

Dabei wäre die Forderung der Tierschützer ohne große Probleme umzusetzen. Doch da sträuben sich die Bundesländer, denen die Durchführung des Tierschutzgesetzes obliegt. Sie fürchten bei Erlass einer derartigen Verordnung in erster Linie um die Durchsetzung. Doch um die müssten sich die Länder gar nicht kümmern! „Die Umsetzung der Verordnung würde zu hundert Prozent von TASSO übernommen werden“, erklärt Andrea Thümmel.

Finanzielle Entlastung
Mit dieser Zusage würden darüber hinaus die Tierheime in Deutschland finanziell kräftig entlastet. „14,5 Millionen Euro pro Jahr wären möglich, wenn alle Haustiere registriert wären“, rechnet Thümmel hoch. „Allein diese Zahl wäre die Überlegung einer deutschlandweiten Registrierungspflicht durchaus wert.“

Übrigens: Geht nicht, gibt’s nicht! Die Schweiz hat die Registrierungspflicht von staatlicher Seite im Jahr 2007 eingeführt. Seitdem haben die Tierschützer einen deutlichen Rückgang ausgesetzter Tiere festgestellt. In Österreich gibt es die Registrierungspflicht seit Juli 2008.

Tierschützer fragen sich deshalb: Wann endlich kommt die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Haustieren in Deutschland? Tierschutz sei ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, dessen Schutz im Grundgesetz verankert ist, resümiert die Vorsitzende des Gersthofer Tierschutzvereins, Sylvia Heckl-Fiedler. Doch oftmals fehle die Verankerung noch in den Köpfen der Bevölkerung und der Politiker.

In der nächsten und zugleich letzten Folge unserer Serie sagen Tierschützer und Politiker ihre Meinungen zu Katzenkastration sowie zur Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Haustieren.

Fünf vor zwölf  13. Mai 2009

SERIE (3) / Tierschützer sind sich einig: Es muss dringend etwas auf politischer Ebene gemacht werden, um das Katzenleid in Deutschland einzudämmen. Letzter Teil der Serie.

Siegfried P. Rupprecht_______________________________________________________

Gersthofen. In Deutschland engagieren sich über eintausend Tierschutzorganisationen und unzählige Ehrenamtliche für den Schutz der Tiere. Doch immer öfter müssen Tierheime und Tierschutzvereine wegen Überfüllung oder Finanznot die Aufnahme von Haustieren ablehnen. Kastrationsaktionen und tiermedizinische Versorgung der Tiere lassen sich nicht mit ein paar Cent realisieren. Es sei an der Zeit, dass Politiker den Kampf gegen das Tierelend unterstützen, betont die Vorsitzende des Gersthofer Tierschutzvereins, Sylvia Heckl-Fiedler. Und Margit Mayr von der „Interessengemeinschaft mehr Schutz für Haustiere“ meint: „In dieser Sache ist es mittlerweile fünf vor zwölf.“

So fordern Tierschützer schon längst bundesweit, verbindliche Detailregelungen zur Katzenhaltung gesetzlich zu manifestieren. Beispiel: Die „Interessengemeinschaft Pro Katzenschutzverordnung“. Sie hat zwischenzeitlich über 15 000 Unterschriften gesammelt. Ihre Forderungen - die von bekannten Tierschützern wie Sonja Stahl von der „Katzenhilfe Westerwald“, Robert Derbeck, Mitglied im Bündnis bayerischer Tierrechtsorganisationen, und Reinhold Jungwirth, Tierschutzbeauftragter der Herbert-Denk-Stiftung in Passau, unterstützt werden - sind klar formuliert:

■ Eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen deutschlandweit.
■ Eine bundeseinheitliche Katzenschutzverordnung im Tierschutzgesetz.
■ Einen staatlichen Tierschutz-Fonds für Tierschutzvereine und Tierheime.

Viel Leid ersparen

Und die Politiker? Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Tierschutzvereins Augsburg, Heinz Paula, reagiert positiv. Vor allem die Übernahme der Registrierung durch den Verein TASSO (wir berichteten) hat es ihm angetan. „Ich kann diese Initiative nur begrüßen“, meint er. Für den Tierhalter möge die Maßnahme zunächst überflüssig und bürokratisch wirken. „Aber wer schon einmal in Sorge um ein entlaufenes Haustier war, der weiß: Eine Registrierungspflicht würde viel Kummer ersparen und oft helfen. Ganz zu schweigen von dem Leid vieler Tiere, die für Tierversuche missbraucht werden.“

Auch zur Katzenüberpopulation nimmt der Bundespolitiker Stellung. „Die Einschätzung, dass Tierheime die Katzenschwemme ohne staatliche Unterstützung kaum mehr bewältigen, kann ich aus Sicht des Augsburger Tierheims nur bestätigen. Wir haben einen hohen Bestand. Wir kümmern uns gern um die Tiere, aber Stadt und Landkreis müssen das Tierheim angemessen unterstützen.“ Dazu seine sie gesetzlich im Übrigen auch verpflichtet, verdeutlicht Paula.

Europa-Abgeordneter Markus Ferber (Bobingen) greift grundsätzlich die Bedeutung des Haustierschutzes auf. Dieser sei in der Vergangenheit leider vernachlässigt worden, macht er aufmerksam. Er unterstütze alle Maßnahmen, die dazu beitragen, das Aussetzen von Haustieren zu erschweren. „Viele Tierfreunde gehen äußerst verantwortungsvoll mit ihren Tieren um. Dort, wo dies nicht stattfindet, sollten alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um den Tierschutz zur Geltung zu verhelfen.“

Mehr Prävention
Landrat Martin Sailer (Landkreis Augsburg) verweist auf den Leiter des Veterinäramts im Landratsamt, Dr. Paul Thierauf. Die von den Tierschützern geforderten Gesetze oder Verordnungen seien theoretisch denkbar, meint Thierauf. Doch sie müssen auch praktikabel und durchführbar sein. Und hier habe er seine Zweifel. „Ich sehe darin einen bedeutenden Eingriff in die Rechte der Tierhalter.“ Zudem seien Abgrenzungen schwierig, zumal es sich fast immer um individuelle Einzelentscheidungen handele. Aus seiner Sicht habe bei den Menschen in den letzten Jahren die Sensibilität im Tierbereich enorm zugenommen. „Gezielte Informationen und Prävention bringt mehr“, so Thierauf.

Anderer Meinung ist Landrat Christian Knauer (Landkreis Aichach-Friedberg). „Durch die Erfahrungen der Mitarbeiter des Sachgebiets Veterinärwesen mit Tierschutzfällen bei streunenden Katzen beziehungsweise Katzenhaltungen begrüßen wir eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen sowie eine Kastrationspflicht für Freilaufkatzen ab dem fünften Lebensmonat“, erklärt er.

Knauer spricht die mancherorts immer noch durchgeführte Populationskontrolle durch strafbare Methoden wie Vergiften, Erschlagen oder Ertränken an. „Diese Praktiken sind entschieden abzulehnen und stellen nicht einmal ansatzweise eine effektive Lösung dar“, betont der Landrat nachdrücklich. Um eine ungebremste Vermehrung dieser Katzen zu verhindern und eine tiergerechte Lösung anzubieten sei eine Kastrationspflicht das richtige Mittel.

 

Großes Konfliktpotenzial 09. September 2009

DISKUSSION / Tierschutz ist im Grundgesetz verankert. Doch die Gesetzgebung sei teilweise mit großen Lücken behaftet, so die Gersthofer Tierschützerin Margit Mayr.

Siegfried P. Rupprecht____________________________________________________

Gersthofen. Die Lage spitzt sich zu! Immer öfter müssen Tierheime und Tierschutzvereine wegen Überfüllung oder Finanznot die Aufnahme von Haustieren ablehnen. Da passt das Erlebnis der Gersthoferin Margit Mayr von der „Interessengemeinschaft mehr Schutz für Haustiere“ ins gegenwärtige Bild.

„Mir wurde eine Fundkatze gemeldet“, berichtet sie unserer Zeitung. „Drei Kinder gingen mit dieser Katze an der Leine und Suchzetteln durch die Innenstadt.“ Die Kinder hätten auch im Tierheim angerufen. „Dort wurde ihnen gesagt, das Tierheim habe - wie viele andere - Aufnahmestop.“

Und hier nimmt Margit Mayr die Politik in die Pflicht. Es könne doch nicht sein, dass Städte, Gemeinden und Politiker sich ihrer Verpflichtung dem Tierschutz gegenüber entziehen oder nicht genügend nachkommen, übt sie heftige Kritik.
„Soll man solche Tiere unversorgt in der Innenstadt auf der Straße lassen?“, fragt sie. Ihre Forderung ist klar formuliert: eine praxisbezogene Vergütung für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren der Tierheime.

Doch das allein reiche nicht aus, erklärt die Tierschützerin aus Gersthofen. So setzt sie sich ein, Katzenhaltung bundesweit verbindlich gesetzlich zu regeln. Ihre Vorschläge: eine Kastrationspflicht männlicher und weiblicher Freigängerkatzen ab dem fünften Monat, eine deutschlandweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht und eine bundeseinheitliche Katzenschutzverordnung im Tierschutzgesetz (wir berichteten). „Damit würde man den Tieren viel Leid ersparen“, ist sich Margit Mayr sicher.

Unterstützung erhält die engagierte Tierschützerin vom ehemaligen Bundesminister und jetzigen Vorsitzenden des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag, Eduard Oswald (Dinkelscherben). Er plädiert mit Nachdruck, dass auch Katzen Fürsorge und Schutz benötigen. „Wer seine Katze ins Freie lässt, sollte verpflichtet werden, diese bei einem Tierarzt kastrieren zu lassen und mit einer Kennzeichen-Tätowierung oder einem Chip zu versehen“, fordert Oswald, der sich als Katzenfreund und Katzenliebhaber bezeichnet.

„Zwar sollte nicht alles in unserem Land geregelt oder verordnet sein, aber wenn dies die einzige Möglichkeit ist, Leid und Elend für die Katzen zu verhindern, muss dies sein.“ Oswald appelliert aber auch an die Einsicht der Katzenbesitzer, mit der Katze von sich aus zum Tierarzt zu gehen.

Immer wieder Eklat

Ein großes Problem sind aber auch die vielen herrenlosen Katzen, die keinen Eigentümer und Besitzer haben, für die sich also keiner verantwortlich fühlt. Hier komme es immer wieder zum Eklat zwischen Tierschützern und Behörden, weiß der Tierschutzexperte Robert Derbeck vom Tierschutzverein Noris zu berichten. „Manche Städte und Gemeinden erkennen Katzen als Fundtiere gar nicht erst an.“ Regelmäßig gebe es deshalb Streitigkeiten zwischen Tierschützern und Behörden im Hinblick auf die rechtliche Differenzierung von Fundkatzen und herrenlosen Katzen.

Auch Robert Derbeck beklagt fehlende Verordnungen. „Dieser Missstand führt dazu, dass bei den Katzen fruchtbare Tiere eine extrem hohe und ungewollte Population erzeugen.“ Die Folge: Die Tierheime sind dauerhaft überfüllt mit Katzen und kämpfen am finanziellen Existenzminimum. Dieses und noch vieles mehr sei das Ergebnis unzureichender gesetzlicher Festlegungen, so Derbeck. Margit Mayr ergänzt: „Die Politiker tragen mit ihrem Zaudern dazu bei, dass die Lage mittlerweile fünf vor zwölf sei. Hier besteht enormer Handlungsbedarf!“

Übrigens: Die eingangs erwähnten Kinder haben den Halter der Katze gefunden. Der Vierbeiner war vor einer Woche entlaufen.


Längst überfällig

Ein Kommentar von Siegfried P. Rupprecht

In Deutschland werden rund 8,2 Millionen Katzen als Haustiere gehalten. Hinzu kommt noch eine hohe Anzahl herrenloser und streunender Katzen, die täglich um ihr Überleben kämpfen müssen.

Eine Tierschutz-Katzenverordnung ist daher längst überfällig. Tierschützer wie der Experte Robert Derbeck nennen dafür zwei wichtige Gründe. Einmal, um dem Mitgeschöpf Katze die gleichen Rechte einzuräumen wie den anderen Tieren, deren Haltung schon spezifisch geregelt ist. Zum anderen, um der Exekutiven ein gültiges Instrument zum einheitlichen und effektiven Agieren in die Hand zu geben.

Doch was hindert die Politiker daran, ein entsprechendes Papier zu erstellen? Sie argumentieren, dass es bereits schon zu viele Verordnungen gibt und das allgemein gültige Tierschutzgesetz ausreichend sei. Weiter befürchten sie unkalkulierbare, zusätzliche hohe finanzielle Kosten bei der Umsetzung. Und hier liegt das eigentliche Konfliktpotenzial!

Die Politik sollte jedoch die Erfahrungen der Tierschützer nicht einfach ignorieren. Besser ist, auf deren Fachwissen zurückgreifen. Davon könnten beide Seiten profitieren und realistisch umsetzbare Lösungsansätze in eine rechtskräftige Tierschutz-Katzenverordnung einfließen. Nur so gehört das dunkle Kapitel der nicht artgerecht gehaltenen, leidenden und kranken herrenlosen Tiere bald der Vergangenheit an.

 

 

 

Stadtzeitung 21.Juli 2010 von Siegfried P. Rupprecht

Chance verpasst
ENTSCHEIDUNG / Der Umweltausschuss im Landtag hat ein Kastrations- und Kennzeichnungsgebot für Katzen abgelehnt. Darüber sind Sylvia Heckl-Fiedler und Margit Mayr enttäuscht.
Gersthofen. Hier sei eine echte Chance für einen besseren Tierschutz in Bayern verpasst worden. So reagierten Sylvia Heckl-Fiedler vom örtlichen Tierschutzverein und Margit Mayr von der Gersthofer Interessengemeinschaft „Mehr Schutz für Haustiere“ auf die Entscheidung des Umweltausschusses des Bayerischen Landtags. Dort wurde mit den Stimmen von CSU und FDP ein Antrag der SPD-Landtagsabgeordneten und tierschutzpolitischen Sprecherin der sozialdemokratischen Fraktion, Susann Biedefeld, abgelehnt. Sie hatte die Staatsregierung aufgefordert, Finanzmittel für ein bayernweites Kastrations- und Kennzeichnungsgebot für freilebende Katzen bereit zu stellen.
Biedefeld, die auch Vizepräsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes ist, berichtete, dass Tierärzte und Tierschutzverbände bereits seit Jahren eine systematische Kastration von Katzen fordern, die sich zwar in menschlicher Obhut befinden, aber auch freilaufend sind. „Durch freilaufende Katzen findet vor allem in ländlichen Regionen eine unkontrollierte Vermehrung statt. Dies bedeutet oft viel Leid für den Katzennachwuchs. Denn unkontrollierter Nachwuchs leidet oft an Krankheiten und Seuchen, landet in überfüllten Tierheimen oder lebt wild", betonte die Abgeordnete.
Sie schlug zur Kennzeichnung von kastrierten Katzen vor, während oder unmittelbar nach der Kastration einen Zahlencode in die Haut am Ohr des Tieres zu tätowieren. „Mit dieser Tätowierung, die im Rahmen der Kastration – und damit unter Vollnarkose – abgelaufen wäre, hätte man eine Registrierung bereits kastrierter Katzen sicherstellen können“, meinte die SPD-Politikerin.
Eine Forderung, die Sylvia Heckl-Fiedler und Margit Mayr seit Jahren nachhaltig vertreten. „Eine Kastrationspflicht für Freilaufkatzen kann Katzenschwemme und Katzenleid begrenzen“, erklärten sie. „Durch die Registrierung mittels Tätowierung und beziehungsweise oder Mikrochip ist die Einhaltung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht gewährleistet.“ Hinzu komme, dass sich damit Tierheime, Städte und Gemeinden hohe Kosten ersparen würden.

Keine Verbesserung

Trotz Tierschutz im Grundgesetz habe sich für Katzen nichts verbessert, machte Mayr aufmerksam. „Im Gegenteil: Katzenschwemme und Katzenleid nehmen zu.“ Hinzu komme, dass aus einer Fundkatze schnell ein herrenloses Tier werde, wenn die Gemeinde oder Stadt für die Fundtierkosten aufkommen soll. „Eine ausstehende Tierschutz-Katzenverordnung mit einheitlichen Richtlinien im Tierschutzgesetz ist zwingend notwendig, damit es endlich auch gesetzliche Grundlagen für Katzenhaltung gibt“, so Mayr kämpferisch.
Auch für die Tierheime und Tierschutzvereine hätte die Einführung eines Kastrations- und Kennzeichnungsgebots eine deutliche finanzielle Entlastung bedeutet, stellte Heckl-Fiedler fest. „Wir können nicht verstehen, dass CSU und FDP hier so tierschutzfeindlich entschieden haben", zeigte sich die Vorsitzende des örtlichen Tierschutzvereins von der Ablehnung im Umweltausschuss enttäuscht. (spr)
■ Mehr Informationen zum Thema Kastrations- und Kennzeichnungsgebot für Katzen gibt es im Internet unter www.ig-mehr-schutz-fuer-haustiere.de.
Bildunterschrift:
Ausgesetzte, herrenlose und verwildert lebende Katzen werden mehr und mehr zu einem Problem.
Foto: Aktion Tier/Katzenhilfe Westerwald

 

zum Zeitungsartikel vom 05.Januar 2011 (Region Augsburg):

Feilschen um Kosten für Fundtiere
Fundtiererstattung ist überlebensnotwendig!

 Die armen Politiker, die sich immer wieder mit Rechnungen über Fundtiere herumschlagen müssen. Dazu einige Fakten: 

Es gibt Fundtiere, weil auch bei uns verarmte und verantwortungslose Tierhalter existieren. Ein gefundenes Tier ist ein Fundtier bis zum Beweis des Gegenteils. Erst nach vier Wochen kann ein Fundtier herrenlos werden. Die meisten Fundtiere sind Katzen. Mit einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht können diese Kosten deutlich und auf Dauer verringert werden!

 Seit 1993 sind Städte und Gemeinden zur Fundtiererstattung gesetzlich wie folgt verpflichtet: Unterbringung, Ernährung, Pflege. Entwurmung und Grundschutz-

impfung Seuche/Schnupfen, zudem notwendige Tierarztkosten zur Wiederherstellung bzw. Gesunderhaltung des Tieres. Für unaufschiebbare Behandlung hat auch der Tierarzt, bei dem der Finder das Tier abgibt, einen Erstattungsanspruch gegenüber Gemeinde/Stadt.

 Da dieses Gesetz im Tierschutz lange nicht bekannt war, haben Tierschutz und Tierärzte diese Kosten selbst getragen und damit Städte und Gemeinden viel gespart. Insbesondere durch die stetig ansteigenden Katzenpopulationen, haben die örtlichen Tierheime und Tierhilfen, mit finanziellen Problemen und Aufnahmestopp zu kämpfen. Die Fundtiererstattung ist für alle Tierheime und Tierhilfen deshalb überlebensnotwendig!

 Kommunen und Behörden sind nach § 1 Tierschutzgesetz und Art. 20 a Grundgesetz verpflichtet, einem leidenden Tier zu helfen und den erreichten Tierschutzstandard nicht zu verschlechtern. Leider wurden Anträge auf Kastrations- Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Freilaufkatzen der SPD im Bayerischen Landtag und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag von der CSU und FDP abgelehnt. Erneut wurde nun ein Antrag von der SPD im Bundestag eingereicht.

Sehr geehrte Politiker und Bürgermeister, macht einfach Eure Hausaufgaben und kommt Euren Verpflichtungen im Tierschutz nach! Danke!

 

IG Mehr Schutz für Haustiere
Margit Mayr
Gersthofen

 

 

09.07.2014
Katzen – Tiere zweiter Klasse?

HERZBLUT / Margit Mayr kämpft engagiert für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht von Freilaufkatzen. Nur so könne Katzenelend nachhaltig eingedämmt werden, sagt sie. Doch Politiker blocken.

Siegfried P. Rupprecht________________________________________________________________

Gersthofen/Landkreis Augsburg. Das Katzenelend, verursacht durch verwilderte Hauskatzen, letztlich jedoch von verantwortungslosen Tierhaltern, nimmt Jahr für Jahr zu. Ein Sachverhalt, der nicht nur die Katzen, sondern auch Tierschutzvereine und Tierheime immer mehr in Bedrängnis bringt. Dabei

könnte viel Not verhindert werden. Die Gersthofer Tierschützerin Margit Mayr hat dafür eine einfache Lösung parat: „Die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Freilaufkatzen ab dem fünften Lebensmonat ist ein wirksames Instrument gegen das Katzenelend.“

Auch die Durchführung dieser Forderung ist relativ simpel. Die Kastration mit Kennzeichnung und Meldung des Tieres beispielsweise bei TASSO erfolgt durch den Tierarzt. TASSO, das größte Haustierregister Europas, übernimmt ehrenamtlich die Registrierung. „Aussetzen, verantwortungslose Tierhaltung, Diebstahl, Tierquälereien und vor allem Katzenschwemme und Katzenelend würden dadurch erheblich begrenzt“, verdeutlicht Margit Mayr. Und noch einen Vorteil nennt sie: „Die Behörden hätten damit weder Kosten noch Zeit- und Verwaltungsaufwand.“

Doch was so einfach klingt, scheint für Politiker „unzumutbar“. So lässt der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, an Margit Mayr schreiben: „Eine bundesweite Kastrationspflicht wäre unverhältnismäßig, da die Problematik der herrenlosen, streunenden Katzen in Deutschland regional in unterschiedlichem Ausmaß auftritt. Dies gilt gleichermaßen für die Forderung nach einer bundesweiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen.“ Und weiter: „Auch wenn die Registrierung in einer Datenbank selbst kostenlos wäre, würden sich für den Tierhalter Kosten durch die notwendige Implantation des Mikrochips beim Tierarzt ergeben.“

In diesem Zusammenhang verweist der Bundesminister zudem auf den Paragraf 13b des aktuell ergänzten Tierschutzgesetzes und der damit verbundenen Abhilfe mit einer im Zusammenhang stehenden Verordnungsermächtigung der Bundesregierung an die Landesregierungen.

Stückwerk
Doch diese Ergänzung erweist sich im Hinblick auf eine Durchsetzung nur als Stückwerk. Zum einen müssen hier Städte und Gemeinden gegenüber den Landesregierungen nachweisen und begründen, dass die Schmerzen, Leiden und Schäden, die den herrenlosen Tieren in ihrer Region entstehen, ausschließlich auf eine unkontrollierte Population zurückzuführen sind. Das ist jedoch juristisch fast unmöglich. Zum anderen ist die Haltung von Katzen, die in Obhut eines verantwortungslosen Menschen stehen, weiterhin gesetzlich nicht geregelt.

Für Margit Mayr ist die Ablehnung einer bundeseinheitlichen Katzenschutzverordnung im Tierschutzgesetz nicht nachvollziehbar. „Seit Jahren zeigt sich, dass allgemeine gesetzliche Vorschriften nicht ausreichend sind“, resümiert sie. „Im Gegenteil: Katzenelend, abgemagerte, kranke und verletzte Fundtiere sowie verantwortungslose Katzenhaltung nehmen ständig  zu.“

CSU blockt
Rund 200 deutsche Städte und Gemeinden haben mittlerweile eine Kastrationspflicht als tierschutzgerechte Initiative eingeführt. In Bayern haben in der Vergangenheit CSU und FDP allerdings mehrfach eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht abgelehnt, obwohl SPD und Bündnis 90/Die Grünen diese befürwortet hatten. Seit 2001 gibt es eine Hundeschutzverordnung. Eine Katzenschutzverordnung wurde durch die CSU ebenfalls abgelehnt, genauso wie  ein Tierschutzverbands-Klagerecht.

Politiker, das hat die Tierschützerin Margit Mayr schmerzhaft festgestellt, begnügen sich mit beschwichtigenden Standardantworten. Sie berufen sich, wie Bundesminister Christian Schmidt, für das Halten von Katzen auf „allgemeine gesetzliche Anforderungen“. Doch die sind nur grundlegend.

Das hat auch Horst Wester, der Bundesvorsitzende der „Partei Mensch Umwelt Tierschutz“, erkannt. Er fordert eine Änderung des Tierstatus’ in der Gesellschaft über beispielsweise einen eigenen Artikel im Grundgesetz oder über eine komplette Überarbeitung des Tierschutzgesetzes. Letzteres sei „durch seine schwammigen Formulierungen nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde“.
 

Petition
Margit Mayr weiß, dass sie zur Durchsetzung ihrer Forderungen einen langen Atem braucht. Das Problem der über zwei Millionen Streunerkatzen sei nur durch flächendeckende Kastration in den Griff zu bekommen. Sie weiß, dass das schwierig ist, politisch durchzuboxen. Sie weiß aber auch, dass Katzen  im Gegensatz zu Hunden und der damit verbundenen Jägerschaft keine Lobby haben, dass die unzähligen Tierschutzvereine und Tierhilfen bundesweit nicht mit einer einheitlich mächtigen Stimme sprechen und dass sich der Bund bei diesem Thema auf die Zuständigkeit der Länder beziehungsweise Kommunen beruft und umgekehrt.

Doch Beispiele wie Paderborn und andere Städte zeigen, dass es auch anders geht. „Wenn man nur will“, fügt Margit Mayr hinzu. Doch von diesem Willen scheint man in Bayern noch weit entfernt zu sein.

 

Derzeit setzt sie ihre Hoffnung im Internet auf eine Petition an den Deutschen Bundestag: http://www.change.org/de/Petitionen/schutz-der-streunerkatzen-um-katzenleid-zu-begrenzen. Über 11 000 User haben dort die Petition bereits unterstützt.

Bildunterschrift:
Tierschützer fordern eine bundesweite Kastrationspflicht für Katzen. Sie sei notwendig, um das Katzenelend von Streunertieren zu begrenzen, argumentieren sie.

Foto: IG Pro KSVO

 

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Tierschuetzer-schlagen-wegen-Katzen-Alarm-id31618152.html?view=print

 Augsburger Allgemeine  Nummer 233 vom 10. Oktober 2015
Tierschützer schlagen wegen Katzen Alarm

Mein Leserbrief

Nur eine Kastrationspflicht kann das Katzenelend begrenzen!

Mittlerweile gehen 253 deutsche Städte und Gemeinden mit gutem Beispiel voran und haben zum Schutz unserer Katzen ihre Kommunalverordnung geändert. Der Bayer. Landtag hat es nach über einem Jahr noch nicht geschafft, die Rechtsverordnung zu § 13 b TierSchG an die Kommunen zu erlassen.

Katzenwelpen werden auf dem Land immer noch barbarisch getötet. Die Kätzchen, die nicht gefunden werden, krepieren elend in Scheunen usw. dahin. Überlebende abgemagerte und kranke Katzen wandern aus Hunger ab. Tierfreunde, die diese finden geben diese im Tierschutz ab.

Kommunen speisen diese dann mit 25 Cent pro Einwohner ab. Das führt dazu, dass immer mehr Tierheime und Tierhilfen ums Überleben kämpfen.

Daran will unsere Bayer. Regierung nichts ändern, denn die Kosten und den Verwaltungsaufwand trägt zu ca. 90  Prozent der Tierschutz und private Tierfreunde. Das funktioniert seit Jahrzehnten so gut, weshalb sollte man es dann ändern?!  Städte und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, für die Katzen aufzukommen. Sie können von der Landesregierung Unterstützung bekommen. Wenn wir endlich die tatsächlichen Fundtierkosten abrechnen, hat die Bayer. Staatsregierung ihre geforderte Statistik zum Katzenelend.

Sie kann das Katzenelend in Bayern dann nicht mehr länger leugnen!

Margit Mayr, Gersthofen